Flussbad Berlin - “Unverantwortlich, unsozial und elitär“

Mit scharfer Kritik wendet sich jetzt auch der Berliner Dom gegen das geplante Flussbad in Berlins historischer Mitte.
Berliner Morgenpost vom 19.03.2021 von Isabel Jürgens

Die erste Euphorie ist längst verfolgen. Gegen das Projekt Flussbad mitten im historischen Zentrum von Berlin, seit 2014 bereits mit mehreren Millionen aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert, wächst der Widerstand. Mit einem offenen Brief hat sich jetzt auch noch der Berliner Dom für eine schleunige Einstellung des Projekts ausgesprochen.
In dem Brief, der der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es zur beabsichtigten Planung eines Freibades im Spreekanal: „Wir schließen uns in der negativen Bewertung des Gesamtvorhabens den schriftlich und mündlich geäußerten Meinungen dem Landesdenkmalamt Berlin , dem Landesdenkmalrat Berlin , der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren Museen, der Planungsgruppe Stadtkern im Bürgerforum Berlin , dem amtierenden Landesarchäologen des Landes Berlin , der Monitoring-Gruppe des Icomos Deutschland sowie der Baukammer Berlin an“.

Kostspieliges Vergnügen

Ingenieur Steeg: Flussbad in Mitte kostet 200 Millionen Euro. Politik hält daran fest
Berliner Morgenpost vom 19.02.2021 - von Julian Würzer

Das Abgeordnetenhaus will trotz heftiger Kritik am geplanten Flussbad in Berlin festhalten. Darauf verständigten sich die Politiker am Donnerstag im Verkehrsausschuss . „Es ist ein attraktives Projekt, das wir nach Kräften unterstützen und realisieren wollen“, sagte Stefan Tidow (Grüne), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Seit vielen Jahren gibt es Überlegungen, wie Berlinerinnen und Berliner im Spreekanal zwischen dem Humboldt Forum und der Museumsinsel in Mitte baden können. Im November 2017 forderte das Abgeordnetenhaus den Senat auf, die Realisierung des Flussbads zu unterstützen.
Maßgeblich vorangetrieben hat das Flussbad Tim Edler, Autor des Projekts und Gründungsmitglied des gleichnamigen Vereins. Er sagte am Donnerstag, dass derzeit die Bedingungen für ein geregeltes Planungsverfahren vorbereitet würden. Allerdings gebe es noch viele Hürden für eine Realisierung, da zum Beispiel in Berlin das Baden in einem Kanal verboten sei, weil man aus Sicherheitsgründen nicht 100 Meter vor und hinter Brücken schwimmen darf.

Gesammelte Pressestimmen 2020

Pressestimmen 2020 [PDF 767 KB]

Zwei alte Mitteilungen aus dem trüben Wasser des Flussbades gefischt

Tagesspiegel Checkpoint vom Montag, 21.09.2020

Wir sind noch mal auf den Grund des Flussbads getaucht und haben zwei alte Mitteilungen aus dem Trüben gefischt, die zwar nicht die Spree rückwärts fließen lassen, dafür aber die Zeit. Für den Checkpoint vom 5.9. hatten wir den Senat gefragt, warum der Satz „Bislang konnte die technische Machbarkeit nachgewiesen und weitere Planung konkretisiert werden“ von der Website verschwunden ist. Die Antwort lautete:

„Vor rund zwei Monaten wurden alle Texte auf der Website zu den Nationalen Projekten des Städtebaus aktualisiert, so auch der zum Projekt Flussbad Berlin. Der alte Text stammte noch aus dem Jahr 2014/2015, mittlerweile ist das Förderprojekt abgeschlossen. Der ‚verschwundene‘ Satz bezog sich auf die so genannte Lottostudie, die damals Grundlage der Aufnahme ins Programm Nationale Projekte war.“

Wir fassen zusammen: Die Lottostudie war Grundlage der Aufnahme ins Programm Nationale Projekte, muss also zuerst dagewesen sein. Und jetzt schauen wir uns mal die beiden nassen, aber originalen Flussbad-Papiere an:

  • 10.11.2014: „Aufnahme in neues Bundesprogramm ‚Nationale Projekte des Städtebaus‘.“
  • 11.11.2015: „Ergebnis der durch Lotto finanzierten, technischen Vertiefungsstudie.“

Es ist also genau andersherum. Dazu die Analyse von Morris, Lucky-Luke-Erfinder: „Berlin – die Stadt, die schneller fließt als ihr Schatten.“

Die Flussbad-Kosten ufern aus

Tagesspiegel vom 04.09.2020 - von Lorenz Maroldt

Wir springen mal wieder ins Flussbad und ziehen aus der trüben Brühe an der Museumsinsel die noch unveröffentlichte Drucksache 18/24509 hervor. FDP-MdA Henner Schmidt hatte vom Senat wissen wollen, wohin die Kosten fließen, die Antwort der Stadtentwicklungsverwaltung (zusammengefasst) bestätigt die Checkpoint-Meldung vom 8. August: ins Uferlose. Schmidt fordert jetzt „endlich eine neutrale Kostenschätzung – alles andere ist fahrlässig und gegenüber dem Steuerzahler unverantwortlich.“